Hirschegg aus der Pfarrchronik

 

Von der Packer Bundesstraße in der Stampf abzweigend führt eine Landesstraße entlang des Teigitschbaches zu einer alten Siedlung, die just auf einem kleinen Hügel, dem Ausläufer der Bartholomäalm, zwischen zwei Gewässern, der Teigitsch und dem Mittereggerbach, errichtet wurde und den Namen Hirschegg hat. Gut 5 km ist der Ort von der Hauptstraße entfernt, 900 m hoch gelegen, während die Berge und Almen ringsum sich bis 1993 m (Speikkogel) erheben. Die Bevölkerung besteht zum Großteil aus Bergbauern.

 

Die alte Pfarre wird bereits 1245 urkundlich genannt und umfasst das Gebiet der ehemals beiden Gemeinden Hirschegg-Rein und Hirschegg-Piber, die Anfang der Siebzigerjahre zur Gemeinde Hirschegg zusammengelegt wurden. Der Ort hat eine Bodenfläche von rund 60 km². Im Jahr 1792 wurden über 1000 Einwohner in der Pfarre gezählt. 1850 waren 911, 1900 gar 1013 und 1920 nur noch 795. Der Heimatdichter und Arzt Dr. Klöpfer aus Köflach schrieb: „Aus Wald haben sie ihre Heimat gerodet, in Wald versinken sie wieder, und was sie durch Jahrhunderte in treuer, harter Arbeit bewirkt, danach fragt kaum einer in unserer hastenden Zeit!“

 

Uralt sind manche Namen der Bergbauern und ihrer Höfe: 1542 scheinen Namen auf, die heute noch zu finden sind, und zwar: Bundschuh, Gößler, Löcker, Sorger, Longitzer, Ofner, Raffler, Rieger, Scheer, Scheucher, Schmolli, Seiner, Stering, Bachbauer oder Krammer. Diese Namen bezeugen die alte deutsche Siedlung. Um das Jahr 1000 kamen fränkische und bayrische Siedler in diese Gegend. Der Name Hirschegg, 1490 in einer Urkunde „Hirßegk“ bezeichnet, vor etwa 100 Jahren noch als „Hirscheck“ in den Matrikenbüchern zu lesen, dürfte sicherlich auch mit der alten Legende über den Markgrafen Wilhelm zusammenhängen. Markgraf Wilhelm, der Gemahl der Heiligen Hemma, weilte in Hirschegg sehr oft und war auch ein begeisteter Hirschenjäger. Von einem kapitalen Hirsch am Leben bedroht, flüchtete der Markgraf hinter einem Baumstrunk und gelobte, eine Kirche erbauen zu lassen, wenn er mit dem Leben davonkäme. Sonderbarerweise findet sich auf den Hochaltar der Pfarrkirche zu Hirschegg ein Hirsch, vor dem Altarschrein liegend, in dem die Geburt Christi, von einem süddeutschen Meister wundervoll geschnitzt, dargestellt wird.

 

Kaiser Otto III schenkte das Gebiet hier ringsum am 13.04.1000 dem Markgrafen Adalbero, der einen Hauptsitz in Hengsberg bei Wildon hatte. Der Mittelpunkt dieses großen Herrschaftsbezirkes wurde aber Piber, wo um das Jahr 1096 bereits eine Kirche erbaut wurde, die auch volle Pfarrberechtigung erhielt. Von dort aus wurden neue Siedlungen, Dörfer und Kirchen im Stubalmgebiet errichtet.

 

Die Pfarrkirche zur Hl. Maria in Hirschegg wird urkundlich bereits 1245 genannt. Der heutige Kirchenbau, eine dreischiffige spätgotische Hallenkirche mit drei schlanken Säulenpaaren, wurde in den Jahren 1470 bis 1490 aus Marmor und Stein kunstvoll ausgeführt. An die 40 verschiedenen Steinmetzzeichen wurden 1955 bei der Außenrenovierung festgestellt. Ein Steinmetz und vielleicht auch Baumeister war Ulrich aus dem Stifte Rein, der im Jahr 1482 genannt wird. Herrlich sind die Sternrippengewölbe, die Maßwerke an Fenstern, die steinerne Musikempore sowie die alte Orgel aus dem Jahre 1700. Die Länge der Kirche ist 26,4m, die Breite und die Höhe des Inneren betragen jeweils 11 m. Das Westportal mit geschweiftem Spitzbogen und Fialemschmuck wie auch die Wimperkrönung sind bedeutungsvoll. Rechts vom Hochaltar sind drei alte Glasgemälde aus 1467, der Hl. Christophorus, die Hl. Dorothea mit der Stifterin und das Wappen derer darstellend.

 

Von besonderer Bedeutung ist der Altarschrein auf dem Hauptaltar, in dem die Geburt Christi dargestellt ist. Statt Josef sehen wir Gott-Vater selbst, der eine Hand segnend über das Kindlein hält, das in einer Mantelfalte seiner Mutter liegt. Vier Engel, herrlich und lieblich geschnitzt, tragen diese Mantelfalte, während der eine Engel rückwärts die Hand des Christkindleins hält. Neugierig schauen Ochs und Esel drein. Das Schnitzwerk hat eine große Ähnlichkeit mit dem Käfermarkter Altar im oberösterreichischen Mühlviertel. Vor diesem Schrein befindet sich ein kunstvolles Kreuz, das aus einem Totenschädel herauswächst, mit der Jahrzahl 1503.

 

Interessant ist es auch zu wissen, dass die Pfarre Hirschegg zwei Dominien (Herrschaften) gehörte, und zwar dem Stifte St. Lambrecht mit dem Gebiet auf der linken Seite der Teigitsch und dem Stift Rein bei Graz, auf der rechten Seite. Die Besitzrechte von St. Lambrecht (Piber) datieren vom Beginn des 12. Jahrhunderts, als Herzog Heinrich aus dem Geschlecht der Eppensteiner 1103 den „Großen Forst zwischen Teigitisch und Graden“ dem Stifte schenkte, während das Stift Rein gegen Ende des 12. Jahrhunderts das jenseits der „Teukwitsch“ gelegene „Gotenfeld“ vom letzten Traungauer, Ottokar, als Geschenk erhielt. Diese beiden Dominien entsprechend, teilte sich die alte Pfarre bis Ende der Sechzigerjahre in die beiden Katastralgemeinden Hirschegg-Rein und Hirschegg-Piber. Die Besitzer waren frei und nur hinsichtlich ihrer Huben den Dominien gegenüber zinspflichtig, jedoch ohne Robotpflichten.

 

Eine Besonderheit stellt die alte Glocke, etwa 700 kg schwer, mit der Jahreszahl 1491, dar. Täglich dreimal, und zwar um 7.00 Uhr, 11.00 Uhr und um 19.00 Uhr, mahnt sie zum Gebet.

 

Das alte Schulhaus befand sich in Hirschegg-Piber beim Gehöft vlg. Weß. Als dasselbe 1724 abbrannte, wurde das Haus neben dem Pfarrhof (heute noch erhalten – Haus Schweiger) als Schulhaus eingerichtet. Im Jahr 1905 wurde das heutige Schulgebäude geweiht und feierlich eröffnet.

 

Unter den kirchlichen Festen in Hirschegg ist besonders die alljährlich zu Pfingsten über die Alm stattfindende Votiv-Prozession nach Bad St. Leonhard im Lavanttal (Kärnten) hervorzuheben, welche noch aus der Pestzeit vor etwa 250 Jahren stammt.

 

Zu erwähnen ist auch das Brauchtum zu Ostern, das Entzünden der Osterfeuer am Karsamstag, die Osterfleisch-Segnung, das Kreuzlschnitzen und Anheften der Kreuzerl an die Türen im Hof sowie die kunstvoll ausgeführten Tischkreuze, die in den Wintermonaten in den Bauernhäusern geschnitzt werden und einen Schmuck für die Hausstuben der Bauernhöfe bilden.

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